20110702

#181 mit christa becker in der galerie pamme-vogelsang, köln

die galerie liegt mitten in der altstadt süd von köln, ein flacher bau an der hahnenstrasse. kühle, konkrete kunst in weiss, grau und schwarz an den wänden, ziemlich banale skulpturen aus styropor, waschbeton-platten und glasbausteinen am boden.

um 21 uhr sind 4 zuhörer da, darunter die galeristin und der mann von christa, der sich um eine video-aufnahme kümmert.
 
der beginn des konzertes ist sehr reduziert, meditativ. die flöte melodiös, getragen, mit (vermutlich absichtlich) nicht sehr viel musikalischer idee. so bleibt das eine weile, ich versuche instinktiv von dieser ruhe wegzuführen, zaghaft, es passiert nicht viel. man darf träumen. 

vermutlich gefällt mir diese ruhe besser als ich es mir eingestehe und ich erinnere mich, dass christa sich ein bisschen heiligkeit im konzert wünschte, als wir noch kurz einen spaziergang zum zigarettenautomaten machten. so vertraue ich darauf, dass das konzert auch ohne ein gewisses drängeln in fahrt kommt. und wenn ich jetzt unser duo höre und die erinnerung an mein inneres während des konzertes ausblende, hört man ein drängeln wohl kaum...

das erste element, das auf einen ausbruch aus meditativer ruhe hindeutet ist der moment, als christa mit den flötenklappen klappert und ich einen etwas komplexeren stimmverlauf kreiere, dann die stimme kurz lauter und voluminöser führe,  auch mit dem cello gelegentlich die flöte übertöne und dadurch ein kleines solo entsteht.  christa bleibt fast unverändert bei ihrem spiel, das mich an paul horn im taj mahal erinnert.

alles passt erstaunlich gut zusammen, obwohl oder gerade weil zunächst nur ich zaghaft ausbüchse.  dann greift christa für kurz meine wenigen, schnellen läufe auf, wiegt sich jedoch bald zurück in modale flöten-meditation.  eine neue färbung bekommt das konzert, als ich pizzikato spiele. überhaupt wechsle ich häufig die spielweise und wechsle immer wieder zur stimme. 

dann ein break und ein zweites kurzes solo, dieses mal mit der stimme.  christa wechselt die flöte und wählt geschickt zur stimme eine grosse bambus-flöte, die vielleicht eine shakuhachi ist.

meditativ bleibt das konzert weiterhin, nur ist die meditation jetzt viel weiter nach osten gezogen...oder doch nicht? was ich mit der stimme mache, lässt an dieser feststellung zweifel aufkommen. 

plötzlich spricht christa einen text (von rilke): 

ein gott vom mars...wie aber, sag mir, soll ein mann ihm folgen, soll ein mann ihm folgen durch die schmale leier.  sein sinn ist zwiespalt, sein sinn ist zwiespalt, auf der kreuzung zweier herzwege steht kein tempel zu erfolg, erfolg, erfolg...

hinterher wird das konzert bewegter. es kommt eine brise auf: gesang und querflöte, rhythmisch mit synkopischen schieflagen, dann wieder thematisch zurück zur taj-mahal-paul-horn-assoziation.

heikel wird der vortrag, als ich zur (halb demontierten) mundharmonika greife, schiefe sounds produziere und auch in die harp hineinsinge. aber christa greift das gut mit flöten-trillern auf und es entsteht ein sehr freies, sehr besoneres duo.

dann mit mehr stimme und weniger bluesharp. auch christa arbeitet jetzt vorsichtig mit der stimme.  die farbton-annäherungen sind aber jeweils eigenständig genug, dass man nicht den eindruck einer imitation oder begleitfunktion des einen durch den anderen bekommt. solche <annäherungen> sind häufig mit einem <musikalischen problem> verbunden ist.  hier keineswegs. auch dann nicht, als ich langgezogene töne der shakuhachi aufnehme und verfremde. das richtige maß an verschmelzung bei gleichzeitiger eigenständigkeit ist das, was einen vom kitsch fern hält. 

ganz zum schluss kommt nochmal eine neue färbung ins konzert dadurch, dass ich auch zur flöte greife, zu meiner kleinen bambus-flöte. diese zwei flöten jammern dann eine weile miteinander, ich führe dieses duo dann weiter mit ruhiger stimme, christa produziert schöne, verwaschene triller. sehr ruhiges ende.

zugabe mit kalimba, stimme und tiefer querflöte, stossweise, verschobene rhythmen, monoton, die flöte erhebt sich kurz aus diesem gewebe. es riecht musikalisch nach einer gewissen banalität, aber das schadet nichts. wichtig ist die einheitlichkeit dieser kleinen zugabe.   






roland graeter
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